FLY HIGH

#4 Umfeld für Neues

Das „Bessere ist der Feind des Guten“ titelte schon Voltaire im 18. Jahrhundert. Wenn wir uns als Unternehmen einmal im Wettbewerb behauptet haben, laufen wir Gefahr, uns nicht mehr ausreichend in Frage zu stellen und weiterzuentwickeln.

Wie in einem Orchester, wird das Spiel immer weiter perfektioniert. Jede Rolle weiß genau, was von ihr erwartet wird und übernimmt exakt die vorgesehene Rolle. Effizienz – als Maß dafür, die „Dinge richtig zu machen“ - nimmt zu und Verschwendung wird minimiert. So kann dafür gesorgt werden, dass mit dem heutigen Leistungsportfolio gutes Geld verdient werden kann. Das „Orchester“ ist der Motor für den Erfolg von Heute.

Doch was passiert, wenn Wettbewerber die Zeit genutzt haben, um unseren Kunden bessere Angebote unterbreiten zu können? Die erreichte Effizienz nützt uns nichts mehr, denn nun fehlt es uns an der Effektivität – dem Maß dafür, „die richtigen Dinge zu tun“.

Um dieser Gefahr zu entgehen, brauchen wir ein „zweites Betriebssystem“ im Unternehmen – ein Labor für Versuche und Neuentwicklungen. In diesem Labor liegt der Fokus darauf, die Kunden und das eigene Unternehmen so gut wie möglich zu verstehen und ganz neu zu denken, welche Mehrwerte dem Unternehmen selbst und seinen Partnern und Kunden in der Zukunft helfen können.

Wir müssen ein Umfeld schaffen, in dem Ideen wachsen und gedeihen können.

Drei Voraussetzungen sind dabei entscheidend:

1. Freiraum und Sicherheit

Mitarbeiter müssen neu denken dürfen und dabei auch kritisch über bisher bewährte Erfolgsvoraussetzungen nachdenken dürfen. Sie brauchen die Sicherheit, ganz neue Hypothesen für den Erfolg der Zukunft aufstellen zu dürfen und mit diesen auch mal daneben liegen zu können.

2. Ideen mit Mehrwert schaffen

Wenn Feenstaub vom Himmel fällt und unsere Kunden, wir selbst oder unsere Partner könnten 30 Prozent besser werden – was für Verbesserungen wären das? Was sind die Kernziele, die die Zielgruppen verfolgen – welche „Pains“ oder auch „Gains“ könnten dabei im Fokus stehen? Wie bei einer Blackbox reicht es dabei zunächst, sich ein Bild von der Zukunft zu beschreiben, in dem diese „Pains“ behoben respektive diese „Gains“ realisiert wurden -  auch wenn der Weg der Realisierung noch völlig unklar ist.

3. Bekanntes verstehen und mit neuen Ideen kombinieren

Vernetze dich mit Experten für Entwicklungen, die möglicherweise eine Rolle spielen könnten.

Versuche diese befähigenden Entwicklungen in Lösungsideen mit einzubeziehen und kombiniere unterschiedliche Ansätze miteinander. Denk ein paar Jahre voraus, welche weiteren Entwicklungen wahrscheinlich sind und was passiert, wenn diese eintreffen und miteinander kombiniert werden. Wenn die Bandbreiten im Internet immer größer werden und Endgeräte immer günstiger – welche Entwicklungen können dann in der Zukunft auf einmal wirtschaftlich werden? Neben derart offensichtlichen Szenarien sind in deiner Branche eventuell ganz andere Entwicklungen entscheidend. Nutze den „Kill your darling“ Ansatz und überlege dir, welche Entwicklung dafür verantwortlich sein könnte, dass du selber mit dem aktuellen Angebot am Markt nicht mehr erfolgreich sein kannst.

Es braucht nicht zwingend ein „Innovation Lab“ als physischen Ort, um im „Free Jazz“ für den Erfolg von Morgen zu sorgen. Es kann aber hilfreich sein, den gesamten geschilderten Innovationsprozess auch räumlich zu manifestieren. Der Innovationsbereich von Dräger in Lübeck zeigt dies in seinem „fleischgewordenen Innovationsprozess" unter diesem Link.

UMSETZUNG BEI SALT AND PEPPER

Wir bei SALT AND PEPPER starten immer wieder bewusst Formate, bei denen wir uns die o.g. Fragen stellen. Mit unseren mehr als 600 Ingenieuren, Entwicklern und Beratern bilden wir Kompetenzhubs, um das Wissen über zukunftsrelevante Entwicklungen in Schlüsseltechnologiefeldern einschätzen und antizipieren zu können. Mit Ideation Formaten hinterfragen wir unser eigenes Leistungsportfolio genauso wie das unserer Kunden.

HOW TO START

Du willst ein „Treibhaus für Innovationen“ schaffen?

Hier hast du eine Checkliste mit Anregungen dafür:

  • Mach ein Team für das Thema verantwortlich
  • Schaffe diesem Team Freiräume und Sicherheit
  • Vernetze dich mit Innovationsexperten
  • Versetze dich in die Lage der (internen wie externen) Kunden
  • Entwickle Ideen mit Mehrwert auch ohne dass du weißt, wie man sie realisiert
  • Vernetze dich mit Experten für Entwicklungen, die dir helfen können.
  • Beziehe die späteren Nutzer so früh wie möglich mit ein

Buchtipps

Wo gute Ideen herkommen - Eine kurze Geschichte der Innovation

Wo kommen all die guten Ideen her? Ein Geistesblitz des genialen Wissenschaftlers oder Künstlers? Ist es tatsächlich so 'einfach'? Oder welche Erfahrungen und Kompetenzen brauchen wir, um darauf aufbauend den ganz großen Wurf zu machen? Der Erfolgsautor Steven Johnson geht dem Ganzen ebenso klug und durchdacht wie unterhaltsam auf den Grund. Anhand von Beispielen bahnbrechender Entdeckungen und Erfindungen ermittelt er ein Muster von sieben Faktoren, die für Innovationen und Inspirationen eine große Rolle spielen.

Innovation: Streitschrift für barrierefreies Denken

Innovation bedeutet für Lotter die Bereitschaft zu beständiger Infragestellung und zum Experiment, Das heißt, die Forderung nach Interdisziplinarität und Kreativität ernst zu nehmen. Und es heißt auch, den Mut zu Irrtum und Irrweg zu haben und das Feld der Innovation nicht nur den Jungen zu überlassen. »Innovatoren sind Unternehmer«, schreibt Lotter. »Ihre Arbeit braucht Begeisterung, Ausdauer, Nüchternheit, Know-how, Leidenschaft, Pragmatismus, von allem reichlich.«

Get. Real. Innovation: Get real and forget about innovation - if you don‘t really mean it.

Innovation ist heute der Haupttreiber für wirtschaftlichen Erfolg. Trotzdem schaffen es nur die wenigsten, dauerhaft innovativ zu sein. Wie wir wirklich innovativ werden? Hier kannst du lesen, wie es geht. Aber sag nachher nicht, wir hätten dich nicht gewarnt. Denn um wirklich innovativ zu werden braucht es in der Praxis ganz andere Ansätze, als uns ein Großteil der Fachpresse glauben lässt.

#4 Business Rhyme

Abschließend kommt hier unser neuester Business Rhyme zum Thema "Umfeld für Neues".
 

WO IDEEN WOHNEN,... DIE SICH LOHNEN

Das Bess're ist der Feind des Guten
steht seit Voltaire in den Statuten
Da man zumeist ja innehält,
wenn uns nichts Neues mehr einfällt

DAS ORCHESTER

Stellt sich Erfolg erst einmal ein,
erstickt er Neues oft im Keim
Ist man erst einmal Klassenbester,
läuft vieles wie in 'nem Orchester

Von oben her wird dirigiert
und notfalls auch mal eskaliert
Darunter steht vor allem fest,
was ein jeder tut und lässt

Hier spielt ein jeder für den Lohn
exakt den eingeplanten Ton
und zwar zur immergleichen Zeit
wer davon abweicht, kommt nicht weit 

Doch reicht nicht "Dinge richtig machen"
Sind es inzwischen falsche Sachen
Und will man Neuland so entdecken
Bleibt man dabei ganz sicher stecken

DIE JAZZBAND

Wir müssen auch - quasi daneben
Auf Kunden und auf Trends achtgeben
Dauernd vorn so als "Best Brand"
Bleiben wir nur mit Jazz-Band

Beim Jazz geht es um‘s ausprobieren
Und nicht von oben approbieren
Es gibt auch mal 'nen schrägen Ton
ein Treibhaus für Innovation

Indem man testet und auch irrt
Und nicht gleich denkt: "Ist der verwirrt?"
Sondern begrüßt und akzeptiert
und dann zu Neuem kombiniert

UMFELD FÜR NEUES

Wir brauchen Jazz UND die Kapelle
Dann bleiben wir nicht auf der Stelle
Wir machen gut was heut' schon geht
Und auch die Zukunft, die wird "great"