FLY HIGH

#12 New Work Umfeld nutzen

Der Philosophieprofessor Frithjof Bergmann hat den Begriff „New Work“ geprägt. Er hatte dabei allerdings etwas anderes im Sinn als das, was heute landläufig unter New Work verstanden wird.

Ihn motivierte die Grundüberlegung, dass Menschen sich nicht in Lohnarbeit, zu der sie keinen inneren Bezug haben, erschöpfen und am Lebensende feststellen, dass sie gar nicht richtig gelebt haben. Sein Modell setzt alternativ auf drei Säulen -  Lohnarbeit, Berufung sowie Selbstversorgung respektive Konsumverzicht. Aus seiner Perspektive sollte die Lohnarbeit auf lange Sicht wegfallen, wenn die anderen beiden Säulen ein erfüllendes Leben ermöglichen. Für die Frage nach der Berufung stellte er allerdings fest, dass Menschen sich häufig schwer tun, die Frage zu beantworten, was sie wirklich, wirklich wollen.

Lassen Sie sich von uns dabei helfen, agiler und besser zu werden

Heute wird unter „New Work“ von vielen das „New Normal“ des Arbeitens mit all seinen Freiheiten und Möglichkeiten verstanden. Die Pandemie hat sich dabei als starker Beschleuniger für orts- und zeitflexibles Arbeiten erwiesen. Aus der Not heraus geboren wurden alte Vorurteile über Bord geworfen, dass Mitarbeiter:innen im heimischen Umfeld den Versuchungen erlegen würden, sich mit anderen Dingen als Arbeit zu beschäftigen. Softwareunternehmen entwickelten und optimierten in Rekordzeit Tools, die verteiltes und kollaboratives Arbeiten (Remote Work, Hybrid Work) ermöglichen.

Was ist passiert? Der wachstums- und konsumkritische Anteil der Bergmannschen Theorie wurde abgetrennt – es bleiben die Säulen der Lohnarbeit und der Berufung. Bergmann wertete diese Entwicklung nicht ohne Chauvinismus als „Lohnarbeit im Minirock“ ab. Bei näherer Betrachtung werden aber viele positive Aspekte und auch Entwicklungsoptionen für die Zukunft ersichtlich.

Mitarbeiter:innen wählen im besten Falle ihren Arbeitgeber nach dem Unternehmenszweck aus, mit dem sie sich am besten identifizieren können - Beruf und Berufung kommen einander so bereits näher. Sie treffen dort auf agile Organisationsformen und Servant Leader, die den Anspruch haben, ihnen ein Arbeitsumfeld zu bereiten, in dem sie ihre Interessen und Stärken optimal einsetzen können. Anspruchsvolle Aufgaben und ein positives Menschenbild, dass stark auf Vertrauen basiert, ermöglichen den Mitarbeiter:innen sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Die Orientierung auf ein gemeinsames sinnstiftendes Zielbild und gelebte Werte heben die Organisation evolutionär auf ein neues Level, erzeugen ein Gefühl der Gemeinschaft und verstärken die Identifikation.

Selbstbestimmtes Arbeiten erstreckt sich dabei nicht nur auf die Arbeitsinhalte sondern auch auf Ort und Zeit der Leistungserbringung. Arbeit und Privatleben werden so vereinbar. Dabei endet auch hier die Freiheit des Einen, wo die des Anderen beginnt. Wo asynchrones und verteiltes Arbeiten den Aufgaben gerade in der Zusammenarbeit nicht mehr gerecht wird, helfen Rituale und geregelter virtueller wie auch physischer Austausch als Inseln der Begegnung. Erfahrungsgemäß haben Mitarbeiter:innen hier unterschiedlich ausgeprägte Bedürfnisse. Während einige Mitarbeiter:innen am liebsten wieder zur gewohnten Regelarbeit im Büro zurückkehren wollen würden andere am liebsten komplett auf das Büro verzichten um am heimischen Arbeitsplatz oder auch völlig ortsflexibel reisen und arbeiten miteinander zu verbinden. Aufgabe von Organisation und Führung ist es, Vor- und Nachteile der neuen Flexibilität und deren Auswirkungen auf Identifikation, Leistung und Kultur permanent zu bewerten und auszutarieren. So können Freiheitsgrade maximiert und deren Nachteile minimiert werden. 

Es entsteht eine Organisation, die mehr ist als die Quelle monatlicher Gehaltszahlungen und in der im Work-Life-Blending Lebens- und Arbeitswelt fließend miteinander verbunden sind.

UMSETZUNG BEI SALT AND PEPPER

Mit unserer Ausrichtung und der Art, wie wir uns organisieren versuchen wir bewusst Lohnarbeit und Berufung einander näher zu bringen. Schon im Recruiting neuer Superhelden machen wir deutlich, was uns wichtig ist und was das Arbeiten bei uns ausmacht. Dabei entscheiden die Teams selber, ob Bewerber:innen matchen und nicht die Führungskraft alleine. Der Bewerbungsprozess wird dabei bewusst als wechselseitig verstanden und von uns so gestaltet, dass Bewerber:innen auch wahrnehmen, dass wir uns als Unternehmen bei ihnen bewerben.

Wir nehmen die Mitarbeiter:innen auf eine Learning Journey mit, bei der sie von Beginn an im Mittelpunkt stehen. Wir versuchen, ihre Stärken und Interessen herauszuarbeiten und sie so zu fördern und einzusetzen, dass sie diese ganz gezielt entwickeln können.

Darüber hinaus ist die Zukunft der Arbeit auch bei uns zeit- und ortsflexibel. Mitarbeiter:innen entscheiden für sich, wann und wo sie arbeiten. So werden gemeinsame Kundentermine schon einmal mit Blick auf die Toscana oder das Mittelmeer absolviert und rechtliche Fragen dazu mit Menschenverstand und Maß beantwortet.

Wir sind den Weg schon gegangen – und begleiten Sie gerne auf Ihrem.

Damit die Zusammenarbeit im Team dabei nicht leidet, gilt bei uns die Regel „die Freiheit des Einen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt“. Innerhalb der Teams werden - basierend auf unserem Mindset - Empfehlungen und Regeln definiert, damit die Zusammenarbeit bei diesem hohen Grad an Selbstbestimmtheit nicht leidet.

HOW TO START

Sie sind inspiriert und möchten selber aktiv werden?

Auf die Frage, wie man ein Umfeld schafft, das uns Sinn und Orientierung bietet (Baustein 1) und wie man führt, so dass Mitarbeiter:innen mitgestalten können (Baustein 5  bis 8) und sich sicher und wertgeschätzt fühlen (Baustein 9 bis 11) sind wir bereits in den vorangegangenen Bausteinen eingegangen.

Um ein geeignetes NEW WORK Umfeld zu schaffen, können wir prüfen, wie zeit- und ortsflexibel Mitarbeiter:innen arbeiten können.

Beantworten Sie zunächst folgende Fragen:

  • Wie selbstbestimmt können Mitarbeiter:innen heute schon entscheiden wann und wo sie arbeiten wollen?
  • Wie zeit- und ortsflexibel würden die Mitarbeiter:innen arbeiten wollen und wie unterschiedlich sind diese Erwartungen in der Belegschaft, wenn sie selber entscheiden dürften?
  • Welche ergänzenden Freiheitsgrade lassen sich unternehmensseitig zeitnah schaffen?
  • Welche technischen, organisatorischen und rechtlichen Voraussetzungen müssen dafür geschaffen werden?

Starten Sie mit uns

Buchtipps

Neue Arbeit, neue Kultur (Frithjof Bergmann)

Wie kann die Arbeit der Zukunft aussehen? Nach jahrzehntelanger Praxis legt Frithjof Bergmann als Begründer der NEW WORK Bewegung das Grundlagenwerk zu neuen Perspektiven der Arbeitsgesellschaft vor. Wir leiden nicht nur an schwindenden Arbeitsplätzen, sondern vor allem an der „Armut der Begierde“. Gemeint ist die Unfähigkeit, Wünsche zu äußern und eigene Projekte zu realisieren. Nicht zuletzt deshalb klammern wir uns an Jobs, die nicht nur unseren Lebensunterhalt, sondern auch unseren Platz in der Gesellschaft sichern – selbst dann, wenn sie unbefriedigend sind. Und wir verzweifeln übermäßig, wenn wir sie verlieren. Um Abhilfe zu schaffen, müssen wir uns mehr auf das besinnen, was wir „wirklich, wirklich wollen“ und zu vielfältigen und kreativen Strategien der Umsetzung finden. Wie das gelingen kann, beschreibt Frithjof Bergmann erstmals in dem hier vorgelegten Buch. Frithjof Bergmann, in Sachsen geboren, wächst in Österreich auf. Als 19jähriger wandert er nach Amerika aus. Auf abenteuerlichen Umwegen gelangt er schließlich zur Philosophie. Als Philosophieprofessor lehrt er in Princeton, Stanford, Chicago, Berkeley und Ann Arbor. 1984 erwächst aus seiner Kooperation mit General Motors das erste „Zentrum für Neue Arbeit“ in der Automobilstadt Flint (Michigan).

New Work Hacks (Nils und Anna Schnell)

Dieses Buch zeigt, wie das gemeinsame Arbeiten in Unternehmen grundlegend verbessert und moderner gestaltet werden kann. Denn überall, wo Menschen zusammen arbeiten, miteinander kommunizieren und sich verständigen, ist Potenzial für Weiterentwicklung und für gemeinsames Wachsen vorhanden.

Mit 50 Hacks – Formate, Methoden und Herangehensweisen aus innovativen Unternehmen und New-Work-Kontexten – stellen die Autoren ein Rüstzeug zur Verfügung, das sofort kleine und große Veränderungen in jedem Unternehmen bewirken kann. Mit treffenden Beispielen erläutern sie ihre Ideen auf lebendige Weise und geben Tipps, wie die Einführung am besten gelingen kann. Damit regen sie an, die eigenen Arbeitsweisen zu hinterfragen und durch neue Impulse innovative und Spaß bringende Formate auszuprobieren.

#12 Business Rhyme

BEI DER ARBEIT AUCH MAL SCHWIMMEN
UND AUCH SONST VIEL SELBST BESTIMMEN

ARBEITEN MIT SINN

Frithjof Bergman war einst bange
denn Arbeit hieß schon allzu lange
dass wir maschinengleich agieren
nicht leben, sondern funktionieren

Wo sind die Jobs bloß – diese tollen
die wir wirklich, wirklich wollen
so stellte er – gar nicht so vage
an uns alle diese Frage

Dann sprach er von seiner Vision
von wenig Arbeit nur für Lohn 
ergänzt um Sachen die wir lieben
die voller Leidenschaft betrieben

uns erfüll’n und Freude machen 
wo Augen leuchten und auch lachen
und dann macht die Vision vollkommen
wenn wir mit weniger auskommen

Konsum kann auf mich lange warten
ich pflanze selbst an, hier im Garten
Drei Säulen nennt mit roten Wangen
er NEW WORK – so hat’s angefangen

NEW WORK hat sich seitdem gewandelt
denn wovon es so gar nicht handelt
ist dabei auf Konsum verzichten
Dafür kann man jedoch berichten

dass Lohnarbeit erfüllt mit Sinn
schon mal ein deutlicher Gewinn
im Rückblick für uns alle ist
für Frithjof eher eine List

Denn hast beim arbeiten Du Bock
ist‘s Lohnarbeit im Minirock
Hingegen ich würd’ mich nicht scheuen
mich einfach daran zu erfreuen

ARBEITEN WANN UND WO WIR WOLLEN

Zudem gibt es noch weit’ren Nutzen
'nen Trend der lässt uns fast schon stutzen
durch Pandemien 'nem Booster gleich
macht er starre Strukturen weich

Auf einmal ist so manches gut
was sich verstärkt und auch was ruht
So ist ganz plötzlich digital
wo’s bisher hieß: „Moment einmal“

„New Work“ gleich „No Work“ hieß es auch
mit Drinks und Sonne auf dem Bauch
würden sich die Menschenmassen
im Home-Office nur gehen lassen

Doch nicht mit uns! In Quarantäne
schmieden wir ganz andere Pläne:
Wir arbeiten jetzt eher smart
und wenn wir fahr’n dann mit dem Rad

das geht vermutlich immer weiter
vielleicht am Strand, der Himmel heiter
arbeiten wir ganz mobil
das hätte doch für alle Stil

Wir prüfen, wie wir uns ernähren
mit wem als Mensch wir so verkehren
Auch gibt’s nicht mehr so viel Gehetze
mit Kindern spricht man ganze Sätze

FAZIT

Was bleibt sind also wahre Werte
Gar nicht so schlecht die neue Fährte
Fangt an mit experimentieren
dann werden alle profitieren