Die Corporate Sustainability Reporting Directive kommt: Und jetzt?

Das heißt im Endeffekt: Die Nachhaltigkeitsberichterstattung soll nach und nach den Stellenwert der klassischen Finanzberichterstattung erhalten. Hierfür werden der bisher geltende Anwenderkreis der Nachhaltigkeitsberichtspflicht ausgeweitet, Berichtsinhalte erweitert und standardisiertsowie eine inhaltliche Prüfungspflicht eingeführt. Welche Unternehmen betrifft das genau? Berichtspflichtig werden Unternehmen mit folgenden Merkmalen sein:

  • Große Unternehmen mit
    • 250 oder mehr Mitarbeiter:innen
    • mindestens 20 Millionen Euro Bilanzsumme
    • einem Jahresmindestumsatz von 40 Millionen Euro
  • Kapitalmarktorientierte KMU

Für interne Nachhaltigkeitsbeauftragte kann sich ihre Rolle nun entscheidend ändern, da ihre Aktivitäten – verbunden mit der Nachhaltigkeitsberichterstattung – Auswirkungen auf das Geschäftsmodell, die Reputation des Unternehmens und interne wie externe Prozessabläufe haben kann.

Jetzt Kontakt aufnehmen

Der aktuelle Entwurf steht in Teilen – sowohl inhaltlich als auch bezüglich des Zeitpunkts, an dem die CSRD offiziell gilt – in Diskussion. Das Europäische Parlament und der Europäische Rat plädieren für eine verzögerte Einführung der CSR-Berichterstattung anhand folgender Abstufungen:

  • ab 2024 für Unternehmen, für die die NFRD (Non-Financial Reporting Directive) bereits gilt (2025 erste Berichterstattung)
  • ab 2025 für große Unternehmen, für die momentan die NFRD nicht gilt (2026 erste Berichterstattung)
  • ab 2026 für börsennotierte KMU sowie kleine Kreditinstitute und unternehmenseigene Versicherungsunternehmen (2027 erste Berichterstattung)

Nach aktuellem Entwurf werden ca. 15.000 Unternehmen in Deutschland unter die neue Berichtspflicht fallen. Zudem sind dann Zulieferer dieser Unternehmen indirekt betroffen – denn berichtspflichte Firmen müssen zudem Informationen über ihre Lieferketten nachweisen.

Die große Herausforderung ist dabei, dass viele Unternehmen bisher wenig auf die umfassenden Anforderungen vorbereitet sind. Es fehlt meist an:

  • Know-How und Zeit der Mitarbeitenden, um alle Pflichten zu erfüllen
  • Eine fehlende übergeordnete Strategie, um diese ausgeweiteten Berichtsanforderungen durch effiziente Prozesse strukturiert erfüllen zu können
  • Fehlende Strukturen innerhalb der Organisationen für das Erstellen des weitreichenden Reportings
  • In vielen relevanten Abteilungen wissen die Mitarbeitenden noch gar nicht, welche Herausforderungen für sie zu bestehen sind und welche Rolle sie dabei einnehmen werden
  • Da mehr Daten erfasst und auditiert werden sollen, müssen auch interne Kompetenzen und Prozesse deutlich ausgebaut werden

Was genau beinhaltet die CSRD und was ist neu?

Die bisher bestehenden Vorgaben zu den Berichtspflichten werden von der EU umfassend ausgeweitet und präzisiert. Im Kern müssen Unternehmen demnächst darstellen, wie das Geschäftsmodell und die strategische Ausrichtung des Unternehmens im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen stehen. Im besonderen Fokus: Wie gehen Führungs-und Aufsichtsgremien mit Nachhaltigkeitsthemen um? Zudem werden Unternehmen Informationen über ihre Lieferketten zu berichten haben.

Auch die Tiefe der Berichterstattung ändert sich: Im Vergleich zu vorherigen Nachhaltigkeitsberichten sollen die Inhalte deutlich stärker quantifiziert sein. Hierfür werden neue verbindliche Sustainability Reporting Standards durch die EU Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) entwickelt. Auf deren Grundlage sind zahlreiche Kennzahlen zu den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung zu berichten. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden sich die Vorgaben auf die bestehende ESG- Richtlinie beziehen, wie zum Beispiel die Global Reporting Initiative (GRI).

Insgesamt sind diese Themen der unternehmerischen Verantwortung im Nachhaltigkeitsbericht wesentlich:

  • Strategie und Geschäftsmodell (Resilienz, Chancen in Bezug auf Klima und Nachhaltigkeit)
  • Gesetzte Nachhaltigkeitsziele und Fortschritte
  • Rolle der Verwaltungs-, Geschäftsführungs- und Aufsichtsorgane bzgl. Nachhaltigkeitsbelange
  • Beschreibung von Due-Diligence-Prozessen
  • Offenlegung von Ergebnissen zu bestehenden Konzepten mit Kennzahlen
  • Was wird zum Erreichen von sechs Umweltzielen der EU-Taxonomie (u.a. Klimaschutz und - anpassung) getan
  • Was wird für gesellschaftliche Belange (Chancengleichheit, Arbeitsbedingungen, Menschenrechte) getan
  • Was wird bzgl. Governance-Aspekten (Unternehmensethik, Anti-Korruption, Risikomanagement usw.) unternommen

Zwei Bausteine der CSRD sollten Sie besonders beachten:

EU-Taxonomie

Die EU-Sustainable-Finance-Taxonomie (kurz EU-Taxonomie) ist an die Nachhaltigkeitsberichtspflicht geknüpft und wird gemeinsam berichtet. Das Ziel: Die Auswirkungen auf das Klima einzelner Wirtschaftsaktivitäten werden transparent aufgezeigt. So können Finanzmarktakteure auf dieser Basis eine fundiertere Investitionsentscheidung treffen. Damit sollen Anreize für Anleger und Unternehmer geschaffen werden, in nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten zu investieren – und einen Beitrag zum Erreichen der Ziele des Pariser Klimaabkommensleisten. Zusätzlich erschwert die Taxonomieverordnung Greenwashing. Sie verpflichtet Unternehmen konkrete Indikatoren offenzulegen, inwieweit ihre Aktivitäten gemäß der Taxonomie ökologisch nachhaltig sind. Damit sind rein qualitative Nachhaltigkeitsberichte ohne Vergleichbarkeit und einheitliche Kontrolle nicht mehr möglich.

Wen betreffen die Vorgaben der EU-Taxonomie genau?

  • Finanzmarktteilnehmer:innen
  • Unternehmen, die nach CSRD berichtspflichtig sind
  • Bedingt EU und Mitgliedsstaaten

Was muss gemäß EU-Taxonomie für ein nachhaltiges Finanzwesen von Unternehmen veröffentlicht werden?

  • Anteil der Umsatzerlöse mit Aktivitäten, die die Kriterien der EU-Taxonomie erfüllen
  • Investitionen (CapEx) und Betriebsaufwendungen (OpEx) in Aktivitäten, die die Kriterien der EU-Taxonomie erfüllen

Welche Aktivitäten werden voraussichtlich im Sinne der EU-Taxonomie geprüft?

  • Forst- und Landwirtschaft
  • Hersteller von Materialien, die Einfluss auf das Klima haben
  • Unternehmen, die Energie herstellen, speichern und verteilen
  • Aktivitäten zu Wasser, Abwasser und Abfällen
  • Transport und Lagerung
  • IT und Kommunikation
  • Unternehmen im Immobilien- und Bauwirtschaftsektor

Doppelte Wesentlichkeit

Eine wichtige Änderung im Nachhaltigkeitsreporting wird zudem das Konzept der doppelten Wesentlichkeit sein. Es verlangt von Unternehmen zum einen darüber zu berichten, wie sich Nachhaltigkeitsthemen auf ihre eigene Leistung, Position und Entwicklung auswirken (die „Outside-in“-Perspektive). Zum anderen müssen nachweisbare Inhalte über ihre Auswirkungen auf Menschen, Stakeholder und die Umwelt (die „Inside-Out“-Perspektive) enthalten sein. Durch diese Änderungen gelten deutlich mehr Sachverhalte als wesentlich und sind zu berichten – nämlich wenn eine der genannten Perspektiven zutrifft. Zuvor mussten beide erfüllt sein.

Jetzt Kontakt aufnehmen

Was passiert, wenn die CSRD nicht umgesetzt wird?

Es drohen verschiedene Strafen, wenn ein berichtspflichtiges Unternehmen seiner Pflicht zur Veröffentlichung der entsprechenden Informationen nicht nachkommt. Der Vorschlag der EU-Kommission beinhaltet drei Möglichkeiten dazu:

  • eine öffentliche Erklärung. In ihr werden die verantwortlichen natürlichen oder juristischen Person sowie die Art ihres Verstoßes genannt
  • eine Anordnung. Mit ihr werden die verantwortlichen natürlichen oder juristische Personen aufgefordert, ihr Vorgehen einzustellen und von einer Wiederholung abzusehen
  • Bußgelder seitens der Behörden

Neben diesen juristisch-administrativen Folgen drohen bei Nichterfüllung weitere Nachteile:

  • (Potentielle) Geschäftspartner:innen, die Wert auf Nachhaltigkeitsnachweise legen, suchen nach entsprechenden Unternehmen. So müssen z.B. Banken nachweisen, in welche Unternehmen sie investieren. Warum? Die Nachhaltigkeit der Unternehmen, in die Banken investieren, wirkt sich auch auf deren Nachhaltigkeitsreport aus. Das schafft massive Anreize für „grüne Investments“.
  • Als „Nachhaltigkeitsverweigerer“ leidet Ihre Reputation – bei Endkunden, Geschäftspartnern, Mitarbeitenden und potenziellen Bewerber:innen gleichermaßen.

Was können Sie tun?

Um einen stichhaltigen Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens herauszugeben, wie die EU ihn vorgibt, sind viele prozessuale Abläufe in Ihrem Unternehmen mit großer Wahrscheinlichkeit zu verändern, zu erweitern oder neu zu etablieren. Hinzu kommt, dass hier ein neues Feld bespielt wird, auf dem nur wenige Erfahrungen bestehen – von unternehmerischer wie administrativer Seite.

Die notwendigen Hauptaufgaben lauten:

  • Klarheit herbei führen, welche Organisationsbereiche welche konkreten Aufgaben in der Nachhaltigkeitskommunikation haben
  • Strukturieren der Vorgehensweise (Aufgaben -> Abhängigkeiten -> Meilensteine)
  • Stakeholder identifizieren und managen
  • Risiken antizipieren und managen z.B. mit einer Pre-Mortem-Analyse
  • Identifizieren und verfügbar machen hilfreicher Ressourcen (bspw. EFRAG, Expert:innen, Lernpartner:innen., Aufbau eines Netzwerks aus Nachhaltigkeitsbeauftragten von Unternehmen der gleichen Branche)

Zudem sollten Sie herausarbeiten:

  • eine Ist-Analyse mit der bereits vorhandenen Berichtsstrukturen des Unternehmens
  • welche verpflichtenden Anforderungen der CSRD zu erfüllen sind
  • welche Lücken es in den zu berichtenden Informationen und Strukturen gibt

Besonders relevant ist im Anschluss das Erarbeiten eines Plans und das Managen der Arbeitsschritte, um die identifizierten Lücken zu schließen und die definierten Meilensteine zu erreichen. Dieser wird Schritt für Schritt umgesetzt und in die unternehmerischen Strukturen integriert

Was Sie noch tun können? Nehmen Sie Kontakt zu uns auf. Wir projektieren Ihr CSRD-Reporting. Dazu sprechen wir mit Ihnen die wichtigsten Bausteine der CSRD durch und welche Auswirkungen diese auf Ihr Unternehmen hat.

Wir entwickeln einen Plan, wie CSRD nach und nach im Unternehmen ausgerollt und implementiert werden kann. Zunächst ist es dafür wichtig, alle benötigten Beteiligten aus den relevanten Abteilungen zu informieren, abzuholen und in den Gesamtprozess zu integrieren. Was auch sehr wichtig ist: Nicht nur die Vorprojektierung machen wir für Sie. Insbesondere das Management identifizierter Lücken zwischen dem Ist-Stand Ihres Unternehmens und der Anforderungen von CSRD machen und erstellen wir gemeinsam.

Diese Arbeit können wir von SALT AND PEPPER leisten. Und wir helfen Ihnen bei allen Fragen rund um das Projektmanagement, das wir – wenn möglich und gewünscht – in agiler Weise umsetzen.

NEHMEN SIE KONTAKT AUF

Gerne beraten wir Sie zu diesen und andern Themen. Nehmen Sie einfach unverbindlich Kontakt mit uns auf, dann finden wir gemeinsam heraus, wie wir Ihnen weiterhelfen können.

Wir freuen
uns auf Sie.
#gerneperDu

* Mit einem Stern markierte Felder sind Pflichtfelder. Mit dem Versenden dieses Kontaktformulars werden die von Ihnen angegebenen Daten elektronisch erfasst, gespeichert und verarbeitet. Wir verwenden Ihre Daten ausschließlich zur Beantwortung Ihrer Anfrage. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung